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Team-Wert: Vertrauen

Kultur in der Krise: Team-Werte, die jetzt wichtig sind

 

Wir von Culturizer fühlen uns auf vielen Ebenen von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen: als Unternehmen, als KollegInnen, als Familienangehörige, als Eltern, als MitbürgerInnen. So forschen wir nun mit vollem Engagement an Lösungen, Team-Kultur in dieser Ausnahmesituation zu stärken. Dabei geht es um mehr als „nur“ unsere Tools. Es geht um die Frage, welche Werte gerade eine besondere Rolle haben, um isolierte Homeoffice-Teams zusammen und zusammenarbeitsfähig zu halten.

 

Wir haben dazu fünf Werte identifiziert, beschrieben und für eine Reflexion im Team aufbereitet:
1. Vertrauen. Darum geht es heute.
2. Verantwortung (erschienen am 16.4.2020)
3. Entwicklung (erschienen am 28.4.2020)
4. Stabilität (erscheint am 5.5.2020)
5. Kommunikation (erscheint am 12.5.2020)

 

Vertrauen – das Band halten

 

Vertrauen ist eine leicht verderbliche Angelegenheit, denn es braucht nicht viel, um Vertrauen schwinden oder verschwinden zu lassen. Doch es braucht eine Menge Zutun, damit es wächst und verlässliche Pflege, damit es „vertrauenswürdig“ bleibt.

 

Vertrauen ist mein Glaube an die Beständigkeit von drei Erfahrungen mit Dir; dass Du drei Eigenschaften beständig zeigst: Erstens dass Du kannst, was Du vorgibst zu können. Dann vertraue ich in Deine Kompetenz. Zweitens dass Du Dich kümmerst, dass Du es gut mit uns meinst und nicht nur Deine Interessen zählen. Dann vertraue ich auf Deine (gute) Absicht. Und drittens dass Du sagst, was du denkst und dass Du tust, was Du sagst. Dann vertraue ich in Deine Integrität, Deine Wahrhaftigkeit, Deine Ehrlichkeit.
Dass ein Vertrauen dieser Art entsteht – im Kollegenkreis oder in der Führungsbeziehung – ist die Folge von Erlebnissen und Erfahrungen, die dies vertrauenswürdig bestätigen. Das ist „wissendes“ im Gegensatz zu „blindem“ Vertrauen.

 

So ein Vertrauen auszubauen und strapazierfähig zu halten ist nicht einfach, wenn man sich selbst von Unsicherheit untergraben, vom Fürsorgestress gebeutelt und von Ohnmacht gelähmt fühlt. Doch man kann sich entscheiden, die folgenden fünf Aspekte im Auge zu behalten.

 

„Entschieden zum Frieden“

Wenn alles „schwierig“ und unübersichtlich ist, helfen weder Appelle noch Besserwisserei noch Anklagen. So verständlich es ist, etwas klarstellen oder durchsetzen zu wollen: Jetzt zählen (noch!) keine Fakten, sondern ausschließlich Präsenz. Da sein, Fragen stellen, zuhören, selbst angemessen offen sein, wären die vertrauensstiftenden Verhaltensweisen. Und die Entscheidung, jetzt nicht an-, ein- oder durchzugreifen sind eine Einzahlung aufs Vertrauenskonto, die Du dann brauchst, wenn Du wirklich mal etwas Kritisches besprechen musst.

 

„Doveryay, no proveryay“: „Vertrauen, aber überprüfen“

Ein altes russisches Sprichwort ist bei uns oft in einer verzerrten Übersetzung zuhause: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Da klingt das Original „Vertrauen, aber überprüfen“ schon deutlich anders. Kontrolle – von oben nach unten – wird immer als Zeichen von Misstrauen empfunden, ob es um Ergebnisse oder Arbeitszeiten oder die Einhaltung von Regeln und Vorschriften geht.
Aber blindes Vertrauen ist ja auch keine Alternative. Doch es gibt sozial akzeptable Formen des Hinschauens und Prüfens: Das Vier- oder Sechsaugenprinzip bei Entscheidungen etwa oder die gute Gewohnheit, den Stand aller Verabredungen in den regelmäßigen Meetings auf den Schirm zu holen, zu checken wo was steht und zu klären, ob es Hilfe oder Anschub braucht. Und: Zu vertrauen – in die Kompetenz, die gute Absicht und die Ehrlichkeit der MitarbeiterInnen oder KollegInnen – heißt ja nicht, keine Erwartungen und Wünsche haben (und aussprechen) zu dürfen.

 

„Shit happens“: Umgang mit Fehlern

Wenn jemand etwas tut (oder nicht tut), das Schaden anrichtet, kann Unachtsamkeit oder Fehleinschätzung der Auslöser sein. Selten Sabotage, Zerstörungswut oder Lust an der Katastrophe. Also sollten wir Fehler so anschauen, wie es das englische Wort dafür (mistake) nahelegt: als Miss-Griff. Und dann zusammen helfen, wieder aufzuräumen, auszuräumen oder was immer nötig ist, um den Schaden wieder gut zu machen. Das hält Vertrauen aufrecht, im Team gut aufgehoben zu sein und schafft die Bereitschaft, auf Fehler anderer ebenso freundschaftlich zu schauen.

 

„Jede Jeck es anders“: Umgang mit Verschiedenheit

Toleranz von Verschiedenheit, eines der „Rheinischen Grundgesetze“, ist das genaue Gegenteil davon, dass sich alle gleich verhalten und benehmen müssen. In schwierigen Zeiten ist das besonders wichtig, weil die Lebens- und Arbeitsumstände im Homeoffice – von vergnüglich bis unaushaltbar – sehr divers ausfallen können. Die wenigsten haben ein eigenes Arbeitszimmer und Kinderbetreuung, sondern leben und arbeiten auf dem Küchentisch. Muss sich hier nicht jede/r auf ihre/seine Weise organisieren dürfen? Vertrauen wird gestärkt, wenn man sich gegenseitig lassen kann, wie es jeder und jedem möglich ist.

 

„Let it be“: Umgang mit Sorgen und Ängsten

Wenn das Selbstvertrauen auf die eigene Kraft, Stärke und Erfahrung schwindet, tut das weh. Das nagt und das äußert sich vielleicht in Klagen oder Anklagen, in depressiven Verstimmungen oder Lethargie. Was hier nicht hilft, sind gut gemeinte Ratschläge und Aufmunterungsaktivitäten. Was dagegen schon hilft, steht im wunderbaren Blogbeitrag von Klaus Eidenschink „Günstiges und weniger Günstiges im Umgang mit Menschen in Angst“, den zu lesen wir jedem ans Herz legen. Und wer es gerne lyrisch hat, möge Paul McCartney lauschen: „Let it be“, The Beatles.

 

„Der Charakter zeigt sich in der Krise“, wird Altkanzler Schmid gerade häufig zitiert. Und was auf Persönlichkeiten gemünzt war, gilt ebenso für Teams und Organisationen – nur dass man es hier „Kultur“ nennt. Doch das ist ja nichts Statisches, und durch Reflexion und Dialog lässt sich bewusst machen, wie man miteinander tickt. Dann kann jede Führungskraft und jeder Mitarbeitende entscheiden, was er oder sie gut findet zum gemeinsam verabreden, ausprobieren, lernen. Denn: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ (Erich Kästner)

 

HAPPY CULTURIZING!!! 💙

 

 

Autor

Lorenz Forchhammer

Co-Founder Culturizer GmbH // Senior Partner ComTeam AG

„Kulturarbeit ist doch ein einzigartiger Hebel für das Gelingen der großen Transformationen, damit Unternehmen zukunftsfest bleiben.”