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Kulturarbeit in der Krisenzeit? – Jetzt erst recht!

Wir alle sind schockiert von der Dynamik, mit der Corona in unser gesellschaftliches und berufliches Leben reingrätscht. Denn alle Gewohnheiten, Gepflogenheiten und Überzeugungen über Arbeit und Zusammenleben verlieren gerade ihre alte Bedeutung und stehen auf dem Prüfstand der Krisentauglichkeit. Das macht uns sicher, dass ein expliziter Blick auf die Kultur der Zusammenarbeit in Unternehmen wichtiger ist als je zuvor.
Ein paar Gedanken zur „Kulturarbeit in der Krisenzeit“ wollen wir in diesem Artikel teilen.

 

Keine Kampagnen, sondern Taten

Wenn wir in der Krisenzeit über Kulturarbeit sprechen, dann meinen wir keine fancy Kampagnen, in denen ein Zielbild beschrieben wird. Nein, wir meinen die Essenz von Kulturarbeit: den bewussten und aktiven Dialog über Verhaltensmuster und informelle Regeln. Wie arbeiten wir (gerade) zusammen? Was tut uns gut? Was ist hinderlich? Welches Verhalten brauchen wir, um überlebensfähig zu sein?

Diese Fragen müssen aktuell neu beantwortet werden. Dann können wir den Worten Taten folgen lassen – im Sinn eines bewussten, der Situation angemessenen Verhaltens.

 

Leicht schleichen sich in Krisenzeiten Verhaltensmuster wie Kontrolle, Misstrauen und Micromanagement ein, die das Führungsverhalten dominieren. Und andere versuchen ängstlich Fehler zu vermeiden und Entscheidungen zu verschieben, um nicht angreifbar zu werden.
Dabei wissen wir: Teams können Krisensituationen besonders gut meistern, wenn alle gemeinsam Verantwortung für Lösungen übernehmen. Eine solch vertrauensvolle Haltung bindet Betroffene aktiv ein und entfaltet deutlich mehr Potenziale, als der Stressmodus im Task-Force-War-Room. So werden auch schwierige Lösungen anders auf- und angenommen.

 

 

„Kultiviert durch die Krise“ bedeutet im wahrsten Sinn der Worte einen bewussten, kultivierten Umgang mit betroffenen Menschen einer Organisation. Und betroffen sind gerade viele: von Kurzarbeit, von Kündigung, vom Spagat zwischen Kinderbetreuung und Videokonferenz, vom sich Kümmern um die älteren Generationen oder die Nachbarn in Quarantäne. All diese schwierigen Gespräche oder Verhandlungen kann man so oder so führen. Und die Reaktionen darauf werden entsprechend unterschiedlich sein.

 

New Work ist unsere New Reality

Seit Jahren stehen neue Zusammenarbeitsansätze im Brennpunkt und werden mancherorts schon gelebt. Doch für die Gesamtheit von Corporate Deutschland war vieles bislang noch Utopie. Nun sind die Menschen über Nacht gezwungen zu Hause zu bleiben und ausschließlich digital und virtuell zusammenzuarbeiten. Das klappt erstaunlich gut für viele von uns.
Doch viele Unternehmen sind mit diesen Anforderungen nicht vertraut und verfügen weder über die nötige Hardware, noch über die neuen Skills und auch nicht über die Organisationsformen wie Betriebsvereinbarungen. Oft wird Performance gemessen an (oder verwechselt mit) der Zeit, die ein Arbeitnehmer am Arbeitsplatz verbringt. Können Führungskräfte diese Zeit jedoch nicht mehr unmittelbar nachvollziehen, müssen sie Leistung nach neuen Kriterien definieren. Und das ist gar nicht so leicht in Unternehmenskulturen, die darauf nicht vorbereitet sind.

 

Ein treffendes Zitat nach der Schließung von Schulen war: „Unternehmen, die ihre Mitarbeiter zur Kinderbetreuung ins Homeoffice schicken, haben weder Kinderbetreuung noch Homeoffice verstanden“ (Ursprung unbekannt). Eine freche Aussage, in der so viel Wahrheit steckt und die zeigt, wie wir als Gesellschaft Zusammenarbeit neu denken müssen – kurzfristig in der Krise, und auch weit darüber hinaus. Doch dafür brauchen Teams den Reflexionsraum, um neue Formen der Zusammenarbeit entwickeln und gestalten zu können. Genau das ist Kulturarbeit, die man systematisch angehen kann: Von der Standortbestimmung (Wo stehen wir als Team?) hin zum Zielbild (Wo wollen wir hin?) mittels Entwicklungspfaden, Experimenten, gemeinsamen Vereinbarungen und Reflexionen – Schritte zu einer neuen effektiven und flexiblen Zusammenarbeit.

 

Doch dürfen wir nicht übersehen, dass nur ein Bruchteil der Arbeitenden überhaupt die Möglichkeit hat, im Homeoffice zu arbeiten und in der aktuellen Situation damit die Möglichkeit, sich und andere konsequent zu schützen. Viele Arbeitsplätze können nicht virtuell stattfinden, sondern sind entweder ausgesetzt oder müssen als „systemrelevant“ weiter vor Ort besetzt bleiben.
Homeoffice wurde wegen der Autonomie und der Flexibilität bereits vor der Krise als individuelles Privileg beschrieben. Jetzt aber wird es zum echten, Gesundheit schützenden Privileg. Als Gesellschaft müssen wir aufpassen, dass keine neue Art von Zweiklassengesellschaft entsteht.

 

Wir brauchen Werte

Bei Unternehmenskultur geht es immer auch um Werte. Meist sind diese Werte business-getrieben und sollen die Strategie möglichst umsetzbar machen, was sinnvoll und notwendig erscheint. Die aktuelle Krise zeigt aber auf, dass es gerade nicht mehr reicht, Werte im abgeschlossenen Raum des Unternehmens zu betrachten. Nein, jetzt sind vielmehr Werte wie Solidarität und Vertrauen gefragt, die sich nicht auf Unternehmenskultur beschränken.

 

Wir als Unternehmer*Innen, Mitarbeiter*Innen und vor allem als Menschen tragen eine große, gemeinsame Verantwortung. Die Interessen des Einzelnen müssen sich einem gesellschaftlichen Gesamtwohl unterordnen, was im Höher-schneller-weiter-Kapitalismus ziemlich ungewohnt ist. Leider macht der Umgang mancher mit Einschränkungen wie Kontaktverboten deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist, eigene Anliegen hinten anzustellen – auch wenn es sich nur um den Besuch des Viktualienmarktes oder des Biergartens an einem sonnigen Tag in München handelt.

 

Wir sollten die Diskussion um unsere Unternehmenskulturen also bewusst auf gesellschaftliche Werte und unsere gemeinsame Verantwortung erweitern, um eigentlich so selbstverständliche Werte wie Zusammenhalt und Solidarität übergreifend zu stärken.

 

Fazit

Wir glauben fest daran, dass unser Antreiber bei Culturizer „Unternehmen und Teams dabei zu helfen, die Zusammenarbeit zu stärken“ gerade jetzt von größter Bedeutung ist – in, trotz und nach der Krise! Und wir arbeiten mit größter Leidenschaft an tollen und pragmatischen Lösungen: digital für virtuell zusammenarbeitende Teams und inhaltlich zugeschnitten auf die Herausforderungen der aktuellen Situation …

 

 

Autor

Georg Wolfgang

CEO Culturizer GmbH

Georg ist Gründer und Geschäftsführer der Culturizer GmbH und entwickelt mit seinem Team innovative, digitale Tools für die Arbeit an Unternehmenskultur.