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Das Kulturprojekt in der Krise! – Und jetzt?

Bereits in der vergangenen Woche habe ich angesichts der aktuellen Lage zum Thema „Kulturarbeit in der Krisenzeit“ Stellung genommen. Weiterhin ist unser größtes Anliegen im Team Culturizer umsetzbare und wirksame Lösungen zum Thema Unternehmenskultur zu entwickeln. Dazu gehört auch der ständige Austausch mit unseren Kunden.

 

Für die Verantwortlichen von Kulturprojekten – insbesondere diejenigen, die im Prozess bereits weit fortgeschritten und beispielsweise im Roll-out von neuen Unternehmenswerten sind – ist gerade eine schwierige Situation. Eine Situation, die mehr Fragen als Antworten generiert. Eine Situation, in der man als Themenverantwortlicher (in diesem Fall eben verantwortlich für das Kulturprojekt) eine klare Haltung entwickeln und das eigene Projekt entsprechend positionieren sollte.

 

Für diese zugegeben recht außergewöhnliche Situation habe ich einige Thesen formuliert. Diese sollen zum Nachdenken anregen und im besten Fall stärkend wirken – auch in der internen Argumentation und Kommunikation … Gerade weil das Thema Kultur gerade so wichtig ist und Ihr vielleicht schon viel Zeit und Energie investiert habt. An der richtigen Stelle wohlgemerkt!

 

 

These 1: Wir im Projekt haben gerade keine Zeit!

Klar: Fakt ist, dass in vielen Bereichen der meisten Unternehmen gerade mehr Hektik als Operative herrscht. Speziell der HR-Bereich, in dem Kulturprojekte oft angesiedelt sind, verbringt viel Zeit mit der Organisation von Notfallplänen, Roll-outs von Homeoffice und Kollaborationstools, Kurzarbeit, Verschiebungen von Events und Trainings, … die Liste ließe sich beliebig erweitern.

Und klar, wenn diese Krisen-Themen gerade dran sind, hat man wenig Zeit und gedankliche Ressourcen für das Kulturprojekt.

 

Aber: Sofern und sobald Ihr Euch die Zeit freischaufeln könnt, kann ich Euch nur ermutigen, genau diese zukunftsorientierten Themen anzupacken. Das kann Euch selbst dabei helfen, den Krisen-Wahnsinn gut zu überstehen. Denn Ihr könnt von der reaktiven Krisendynamik in eine proaktive, gestaltende Rolle wechseln. Und ich vermute, das tut jedem von uns gut. Zu jeder Zeit und insbesondere in der Krise, wenn eh schon jeder genug Sorgen und Ängste in sich trägt.

 

Also: Seid Visionäre, seid Gestalter, findet gute Lösungen für das Vorhaben und prüft noch einmal, ob und wie das Kulturprojekt einen echten Mehrwert liefern kann – kurz-, mittel- und vor allem langfristig.

 

These 2: Die Führungskräfte haben „dafür“ gerade keinen Kopf!

Klar: Die Führungskräfte und Mitarbeitenden haben gerade ganz andere Dinge zu tun. Und diese Dinge sind dringlich, wichtig – ja vielleicht sogar entscheidend über die zukünftige Existenz des Unternehmens. Da hat doch keiner den Kopf für das Thema Kultur.

 

Aber: Ein Großteil der Themen, die gerade in den Köpfen stattfinden, haben etwas mit der Unternehmenskultur und Zusammenarbeit zu tun: Wie organisieren wir uns im Homeoffice? Wie schaffen wir Nähe, wenn wir uns kaum noch sehen? Wie gehen wir mit bestehenden Prozessen um, die uns jetzt gerade eher behindern? Wie kommunizieren wir adäquat? Was ist die richtige Ansprache an (interne und externe) Kunden? Wie können wir unsere Geschäftsmodelle neu denken? Wie sparen wir Kosten ein, ohne Zukunftspotenziale zu gefährden? Wie führen wir eigentlich gerade?

 

Also: Fragt die Führungskräfte nicht danach, ob sie gerade einen Kopf für Kultur haben. Geht einfach fest davon aus, dass sie keinen Kopf dafür haben. Findet vielmehr heraus, was die echten Pain-Points sind und findet (kulturelle) Interventionen und Lösungen, die pragmatisch und wirksam sind.
👉 Don’t pitch the culture – show the impact!

 

These 3: Workshops gehen gerade echt nicht!

Klar: Präsenz-Workshops sind im Zeitgeist des Social Distancing keine adäquate Lösung. Wer weiß, wie lange noch. Auch wenn viele sich gerade danach sehen, einfach mal mit echten Menschen an echten Tischen in echten Gesprächen an echten Lösungen zu arbeiten. Und der Präsenz-Workshop als Dialog-Format ist immer noch eins der zentralen Elemente in Kulturprozessen (auch wenn hierfür digitale Tools eingesetzt werden).

 

Aber: Sehen wir nicht gerade, was virtuell alles möglich ist? Vor einigen Jahren wurde ich noch belächelt, dass echte Team- und Kulturentwicklung auch im virtuellen Raum fast gleichwertig stattfinden kann. Die letzten Wochen haben unsere kollektive Digitalkompetenz beflügelt. Und dennoch sind die meisten Webcos leider eher Sendeveranstaltungen. Das nächste Level für die meisten von uns ist es, nicht nur virtuell zusammenzuarbeiten, sondern virtuell an der Zusammenarbeit zu arbeiten. Also Kulturarbeit …

 

Also: Überlegt nicht einfach nur, ob man den Präsenz-Workshop virtuell kompensieren oder eben absagen muss. Sucht vielmehr nach virtuellen, digitalen, coolen und vor allem wirkungsvollen Interventionen und Formaten, die einen echten Mehrwert bringen. Und bietet gute und flexible Lösungen an.

 

These 4: Das Thema ist doch gerade unpassend!

Klar: Wie oben beschrieben sind gerade andere Dinge dran. Vermutlich wurden die neuen Unternehmenswerte (oder Leitsätze, Principles, Guidelines, …) vor der Krise erarbeitet. Hoffentlich unter echter Beteiligung der Belegschaft und nicht im stillen Kämmerlein (das ist ein anderes Thema, das nicht nur einen Blogbeitrag, sondern ein ganzes Buch füllen könnte).

 

Aber: Wenn Ihr alles – oder zumindest einiges – richtig gemacht habt bei der Entwicklung und Beschreibung der Kultur, dann wird genau diese Euch in der Krise helfen. Vermutlich habt Ihr bewährte Elemente aus der Vergangenheit aufgenommen: wie beispielsweise Solidarität. Sicher habt Ihr genau überlegt, welche Elemente Ihr zukünftig unbedingt braucht: wie beispielsweise Agilität. Und hoffentlich habt Ihr Elemente zum guten Umgang miteinander definiert: wie beispielsweise Wertschätzung.

 

Also: Egal welche Blickwinkel und kulturellen Elemente Ihr definiert habt: Nehmt die Werte und prüft sie auf Krisenfestigkeit. Ich bin mir sehr sicher, dass Ihr einiges findet, das Euch in der Krise helfen wird. Und vielleicht könnt Ihr nach der Krise noch ein paar Verhaltensweisen hinzufügen, die jetzt erst ans Tageslicht kamen. Und die Ihr unbedingt behalten wollt.

 

In diesem Sinn weiterhin und vor allem jetzt: HAPPY CULTURIZING!!! 💙

 

 

Autor

Georg Wolfgang

CEO Culturizer GmbH

Georg ist Gründer und Geschäftsführer der Culturizer GmbH und entwickelt mit seinem Team innovative, digitale Tools für die Arbeit an Unternehmenskultur.